Samstag, 16. Januar 2010

Öl-Wickel und mehr

Meinem Mann wurde gestern eine Poststreptokokken-reaktiven Arthritis diagnostiziert.  Dieser Form von Rheumatismus tritt meist nach einer Halsentzündung in Verbindung mit Streptokokken auf.
Sein Hand- und Kniegelenk waren stark geschwollen, sowie eine dicke örtlich begrenzte Schwellung am Oberschenkel. Er war/ist massiv bewegungseingeschränkt aufgrund starker Schmerzen.
Der Arzt hat ihm eine Antibiose, eine Penicillin- und Kortisontherapie verordnet.

Natürlich wäre ich nicht Aromaexpertin, wenn ich mir keine begleitenden/unterstützenden Möglichkeiten überlegt hätte. Ich habe mir verschiedene Öle ausgesucht und dann nach Rücksprache mit Eliane einige Öle gemischt.

Für die Ölwickel an den geschwollenen Gelenken und dem Oberschenkel habe ich mich für Nadelbaumöle, Wintergreen, Cajeput, Lavendel entschieden.

Nadelbaumöle besitzen einen hohen Anteil an Monoterpenen, nämlich den alpha- und beta-Pinen, diese haben eine Cortisonähnliche Wirkung, ausserdem wirken Nadelbaumöle schmerzlindernd und beruhigend.

Wintergreen besteht zu 98 % aus Methylsalicylat (Ester), es wirkt stark entzündungshemmend, schmerzlindernd und gefäßerweiternd. Wintergreen sollte immer gering dosiert werden.

Cajeput hat aufgrund seines Anteils an 1.8 Cineol (Oxid) eine stark schmerzlindernde Wirkung.

Lavendel fein habe ich noch dazu getan, weil mein Mann seit ein paar Tagen einen recht hohen Puls hat, denn Lavendel wirkt ja bekanntlich sedativ, kardiotonisch und entzündungshemmend.

Für die Öl-Wickel mische ich nur die Menge die ich brauche und wechsele beim nächsten Mal ein Öl aus. Da ich die Mischung richtig dick auftrage, benötige ich für die drei betroffenen Stellen ca. 15 ml Johanniskrautöl
4 Tropfen eines Nadelbaumöls
2 Tropfen Lavendel fein
2 Tropfen Cajeput
1 Tropfen Wintergreen

ich wickele die Gelenke in angwärmte, weiche Handtücher und lasse den Wickel so lange liegen, bis das Öl gut eingezogen ist.
Die Wickel tun ihm sehr gut, er empfindet weniger Druck und Spannung an den schmerzenden Stellen und mag besonders die Wärme.

Zusätzlich bedufte ich die Räume mit Bergamotte und Nadelbaumölen.

Weiter habe ich ihm eine Mischung in Honig emulgiert, wovon er 2 x täglich 1 Teelöffel zu sich nimmt. Auf 50 gr. Akazienhonig habe ich Thymian linalol, Thymian thymol, Bergamotte, Manuka und Rose türkisch gegeben. Thymian Thymol und Manuka haben eine antibiotische Wirkung, auch Rosenöl hat eine bakterizide, antiinfektiöse und antiphlogistische (entzündungshemmende) Wirkung.

Thymol gehört zu den Phenolen, diese sind hochwirksam und werden auch als pflanzliches Antibiotika bezeichnet, sie sollten jedoch nicht über einen längeren Zeitraum angewendet werden, auch bei Leberschäden ist vorsicht geboten, da Phenole nur verlangsamt über die Leber ausgeschieden werden. Interessanterweise hat man in neueren Untersuchungen festgestellt, dass aber auch die "milden" Thymianarten wie z.B. Linalool oder Geraniol ähnlich wirksam sind!!! In diesen Ölen finden wir Monoterpenalkohole nämlich wie der Namenzusatz schon verrät: Linalool oder Geraniol. Monoterpenalkohole sind hautfreundlich, gut verträglich und dennoch wirken sie bakterizied, antiviral, antiinfektiös und stärken das Immunssystem.

Eliane hat mich nochmal darauf hingewiesen wie wichtig ungesättigte Fettsäuren bei akuten Entzündungen sind. Deshalb kaut er mehrmals täglich einen Teelöffel Leinsamen und nimmt noch Leinöl zu sich.
Australische Wissenschaftler haben herausgefunden, das Leinöl Entzündungsreaktionen mildern kann. Sie konnten sogar zeigen, dass Leinöl eine vergleichbare Wirkung mit Rheumamedikamenten, den sogenannten TNF-Blockern, hat. Für diesen Effekt sind vermutlich die Omega-3-Fettsäuren verantwortlich. Auch kann man Entzündungen mit dem regelmäßigen Verzehr von Omega-3-Fettsäuren vorbeugen.
Über das Leinöl hat Eliane in Ihrem Blog auch etwas geschrieben. Ausserdem gibt es darüber ein tolles Buch (der Einband besteht sogar aus blauem Leinen):





 Bevor ich es vergesse, ich habe diese Woche ein wunderbares Päckchen bekommen und meine persönliche Schatztruhe ist wieder um ein paar tolle Öle reicher geworden.



Elemi, Eukalyptus smithii, Myrte grün, Rosen-Thymian, Rosen Attar, Neroli aus einem Wildwuchs (wunderschöner Duft!!!), Pfefferminze aus der deutschen August 2009 Destillation (ganz milder Geruch und Geschmack, einfach toll!!), Berg-Manuka aus Wildwuchs (runder, sehr milder Manuka) und Leptospermum citratum (zirtonige, süßliche, milde Manukaart)

Kommentare:

  1. Hallo Sabrina,

    von dieser Art von Rheumatismus habe ich noch nie was gehört, hört sich ja schlimm an!
    Gute Besserung deinem Mann, aus der Ferne!!!

    Aber toll wie du dich ins Zeug geschmissen hast und uns an deinem Wissen teilhaben lässt!

    Tolle Schätze die du Bestellt hast ich glaube den Berg-Manuka muß ich auch Bestellen hört sich ganz fein an.
    Ich habe das letzte mal bei Ronald Reike Orangenblätteröl dest. über Orangenblüten, Decamal Absolue, Amber (es sind verschiedene Pfl.)das Öl riecht wie in einer Zahnarztpraxis das sagten alle die es zum erstenmal gerochen haben, Moschus - Samen CO2 Extakt,ein sehr schöner balsamischer schwerer Duft(ich finde den Geruch Erotisch), Cognac (das kann ich noch nicht einordnen geruchlich) und das falsche Agarwood; alles für meine neuen Parfüm Kreationen!!

    Schöne Grüße
    Sabine

    AntwortenLöschen
  2. Hallo liebe treue Leserin Sabine!!!!

    Ich lasse Euch gerne an all dem teilhaben, denn die Öle und dieses Wissen haben bis dato keine große Lobby, also müssen wir was dagegen tun.

    Das Orangenblätteröl habe ich auch, werde nachher nochmal schnuppern, Moschuskörner Co2 finde ich besonders schön. Die beiden anderen kenne ich noch nicht, aber ich werde mir ab und zu einfach mal das ein oder andere gönnen.

    Herr Reike mischt mir jetzt ein paar Sachen nach meinen Rezepturen, damit die Pflegekräfte nicht soviele Einzelöle kaufen müssen, nächste Woche bekomme ich die Muster , bin schon ganz gespannt.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    AntwortenLöschen
  3. diese schnupfen-folge-erkrankung fürchten die ärzte und verordnen dann oft prophylaktisch antibiotika. man steckt nicht drin, diese folge ist sehr selten aber eben doch möglich. viel erfolg mit der duften behandlung! sie wird vermutlich einen rückfall verhindern, denn die antibiotika können das immunsystem zur faulen bank schicken (was soll ich mich anstrengen, wenn es die tollen pillen gibt, die meine arbeit abnehmen...)

    AntwortenLöschen
  4. Hallo,

    jetzt muss ich auch mal was zu diesem Krankheitsbild schreiben. So selten ist es nämlich nicht, und alles anderes als harmlos.
    Das was da Auftritt ist das heute dank der Antibiotika nicht mehr bekannte rheumatische Fieber. Nur durch diese Therapie ist es soweit zurückgedrägt worden. Meist beginnend mit einer symptomarmen Mandel- und/oder Rachenentzündung, ausgelöst durch beta-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A. Und die haben es in sich. Diese Infektion ist unbedingt Antibiotikapflichtig, alles andere ist grob fahrlässig. Hier gibt es viel Halbwissen und noch mehr Ideologien.
    Der alte Spruch "das Rheuma leckt die Gelenke und beißt das Herz" drückt die Folgen ganz gut aus. Das Grundproblem ist, das diese Bakterien ein sehr ähnliches Oberflächenmolekül (M-Protein) haben, wie verschiedene Körperzellen. Das Immunsystem kann nicht richtig unterscheiden, ob es das Bakterium oder der Körper ist und reagiert auf beides. Die Gelenkbeteiligung ist nur die harmlose Form. Auch das Herz wird angegriffen und es resuliert eine Entzündung des Herzmuskels und der Herzklappen - 50% der Patienten erleidet eine chronisch rheumatische Herzentzündung mit Herzklappenbeteiligung, die meist erst 10-15 Jahre später in Erscheinung tritt. Daneben kann auch die Niere eine Entzündung mit Folgeschäden entwickeln (Poststreptokokken-glomerulonephritis), ebenso die Chorea minor (der Veitstanz). U.u. können sich auch Bakterienherde im Herde absiedeln und zu Streuherden werden. Die Letalität liegt bei 2-5%. Fazit: Aufgrund der schweren Folgeschäden ist die Antibiose unverzichtbar. Man kann bei der Halsinfektion einen Abstrich machen und einen Streptokokken-Schnelltest durchführen. Sollte dieser negativ bleiben, kann man i.d.R. auf die Antibiotikagabe verzichten.

    AntwortenLöschen